Startseite Programm Wiss. Programm Öffentlicher Abendvortrag: Gehör und Audiotechnik

Gehör und Audiotechnik:
Eine Reise von MP3 bis zum Kino des 21. Jahrhunderts

 

Karlheinz Brandenburg

http://www.idmt.fraunhofer.de/

  

Sitzungsleiter: Birger Kollmeier

 

 

 

Der Traum von High Fidelity ist schon alt: Schon vor hundert Jahren wurden Hörtests durchgeführt, um die überragende Tonqualität der ersten Phonographen und Plattenspieler zu bezeugen.

Der Vortrag führt in die Welt der Hifi-Technik ein und beschreibt im Besonderen die Welt des räumlichen Hörens. Während Musik heute weitgehend unverfälscht gespeichert und wiedergegeben werden kann, fehlt immer noch viel Know-how um die perfekte klangliche Illusion zu erzeugen.

Drei Schritte zeigen den Stand der Technik und die Anwendung der Psychoakustik:

MP3 ist zum Synonym für digitale Audiotechnik, für das quasi »Überall Hören von Musik« geworden. MP3 war aber auch eines der ersten Verfahren, welches das Gehör überlistet indem es 90 Prozent der Information durch Quantisierung zerstört und trotzdem einen fast ungestörten Hörgenuss ermöglicht. MP3 setzt bewusst auf ein psychoakustisches Modell, mit welchem entschieden wird, welche Frequenzanteile wie genau quantisiert werden müssen, ohne dass der Unterschied hörbar wird.

Medien sind heute ubiquitär. Das Problem ist hierbei weniger der Zugang als die Frage, wie die Lieblingsmusik gefunden werden kann. Mit modernen Methoden der Musikanalyse kann auch ohne menschliches Zutun ähnlich klingende Musik gefunden werden oder nach Genre-Zugehörigkeit analysiert werden. Dabei funktionieren erst komplexe Verfahren mit genügender Genauigkeit: Musik wird nach vielen semantisch sinnvollen Attributen klassifiziert und danach die Ähnlichkeit abgeschätzt.

Zum Hören gehört aber nicht nur der klare, unverfälschte Klang, wie ihn heutige Hifi-Anlagen ermöglichen – Für viele von uns ist noch wichtiger, wie die Verständlichkeit von Sprache auch in schwierigen Umgebungen ist und wie das Gehör und Gehirn sich einzelne akustische Ereignisse aus dem Raum picken können. An dieser Stelle treffen moderne Forschung für Hörgeräte und der neueste Stand der Hifi-Technik zusammen: Wir lernen die Funktion des räumlichen Hörens immer besser zu verstehen, was zur Entwicklung neuer Hörgeräte führt.. Diese Forschung bringt aber auch neue Tonübertragungsverfahren hervor. Der alte Traum der akustischen Immersion, das Gefühl des natürlichen »Dabeiseins«“, rückt mit neuen Technologien in den Bereich der Realität. Der Vortrag geht insbesondere auf das Verfahren der Wellenfeldsynthese ein: Beginnend mit Grundlagenforschung an der TU Delft sind in den letzten Jahren Systeme entstanden, die komplexe Schallfelder komplett über den gesamten Raum und nicht nur an einzelnen Punkten wiedergeben. Anwendungsbeispiele aus dem Bereich der Themenparks, der »Virtual Reality« oder der Kinotechnik belegen die These, dass eine (fast) perfekte räumliche Wiedergabe nicht mehr nur Science Fiction ist.

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